Der Nodalpunkt bzw. das Drehen der Kamera

Damit die Einzelbilder korrekt zusammengesetzt werden können, ist es wichtig, die Bilder nicht einfach so aus der Hand, sondern mit etwas Kontrolle aufzunehmen. Idealerweise kommt ein Panoramakopf zum Einsatz, der ein kontrolliertes Drehen der Kamera zwischen den Aufnahmen auf einem Stativ unterstützt. Bei entfernten Objekten ist aber ein ein Arbeiten ohne Stativ, aber zumindest mit Wasserwaage im Blitzschuh sinnvoll. Die Hintergründe zu dem Drehen der Kamera sind auf gesonderten Seiten im Menü Technik/Hardware beschrieben.

Die Aufnahme: Belichtungseinstellungen

Generelles

Die Sonne im Rücken, dann klappt es auch mit der Belichtung. Prinzipiell ist dies natürlich auch bei Panoramen so, andererseits ist es gerade bei größeren Aufnahmewinkeln nicht immer zu vermeiden, dass auch mal Situationen mit Gegenlicht eintreten. Diese stellen eine wirkliche Herausforderung dar. Auch die Dynamik der Wolken birgt so seine Risiken, wenn in einem Panorama mal Fotos mit und mal ohne Sonne aufgenommen werden. Diese Aufnahmen sind dann meist vergebens.

Panoramen haben so oft erhebliche Kontraste und Helligkeitsunterschiede zu bewältigen. Daher sind einige wenige Schritte zu beachten, um erfolgreich Panoramen aufzunehmen. Trotz allem ist zuweilen etwas elektronische Bildverarbeitung erforderlich.

Die Panoramasoftware bekommt oft auch einen brauchbaren Abgleich zustande. Allerdings sind zuweilen die Übergänge recht deutlich sichtbar. Ein Beispiel findet sich unten. Die Belichtung wurde von der Kamera automatisch ermittelt.

Hier sind die Einzelbilder zu sehen sowie das Ergebnis mit Belichtungsanpassung durch die Stitch-Software.

Kameraeinstellungen

Ein Panorama, dass nur auf den dunkelsten oder hellsten Teil korrekt belichtet wird, ist oft nicht wirklich brauchbar. Vollautomatische Digitalkameras belichten jedes Bild individuell. Bei den "besseren" Kameras ist aber eine manuelle Belichtungseinstellung möglich. Die Kamera sollte unbedingt so eingestellt sein, dass die Belichtung auf allen Bildern einheitlich ist. Wir messen dazu zunächst mit der Kameraelektronik verschiedene Punkte im Motiv an und bilden dann einen Mittelwert, mit dem wir alle Bilder aufnehmen.

Dies gilt auch für den Weißabgleich, der auch unbedingt auf allen Bildern gleich sein sollte, die Automatik also ausschalten. Bei Motiven wie dem Bild oben ist aber Ausprobieren die erste Wahl.

Wer ganz sicher gehen will, nimmt eine Belichtungsreihe auf und kombiniert diese einzelnen Bildfolgen dann mit den Möglichkeiten am PC. Es gibt fertige Filter hierfür zu kaufen, oder man erledigt dies z.B. mit Photoshop-Aktionen, wie bei Erik Krause beschrieben

Das Fokussieren ist außerdem wichtig, Bilder mit unterschiedlichen Schärfentiefen wirken nicht einheitlich. Da Panorama-Aufnahmen meist mit Stativ erstellt werden, spricht auch hier viel für eine möglichst kleine Blende. In der Regel ist eine manuelle Einstellung auf "unendlich" die beste Wahl.

Kurz und knapp: am besten manuell belichten, alle Bilder einheitlich und mit denselben Einstellungen für den Weißabgleich, alle Bilder manuell einheitlich fokussiert, am besten manuell auf "unendlich".

Jetzt das "aber":

Aber das geht leider nicht immer. Wenn der Kontrast zwischen den hellsten und den dunkelsten Bildteilen zu groß wird, kann auch mit der Belichtungsautomatik der Kamera gearbeitet werden. Um möglichst weiche Übergänge zwischen den  Aufnahmen zu bekommen, ist es sinnvoll, den Überlappungsbereich zwischen den einzelnen Bildern möglichst groß (also über 50%) zu gestalten, die Kamera also nur um einen kleinen Drehwinkel zu drehen. Wenn auch dies nichts nützt, dann muss mit elektronischer Bildverarbeitung am PC nachgearbeitet werden. Dazu werden dann am besten Belichtungsreihen aufgenommen und die Bilder dann manuell montiert. Das ist dann aber recht zeitaufwändig und bedingt Erfahrung im Umgang mit EBV-Programmen.

Motiv

Bei der Wahl des Motives ist zu berücksichtigen, dass Objekte im Vordergrund aufgrund der meist eingesetzten Weitwinkel-Brennweite stark betont werden. Dies kann bewusst genutzt werden, kann aber auch Bilder sehr stören. Wege, Straßen, Flüsse, die in den Vordergrund geraten erscheinen auf dem Panorama geschwungen, dies stört oft die, die das Original kennen. Geländer im Vordergrund sind verzerrt, Dächer oder Gegenstände in der Bildmitte bzw. dem Bildrand abgeschnitten. All dies sind Gestaltungsprobleme, die nur durch eine bewusste Standortwahl in den Griff zu bekommen sind. Hier hilft viel Übung, Hochkant-Aufnahmen und eine möglichst kleine Brennweite. Wenn ein Panorama aufgenommen wird, bietet es sich an, einmal den Bildbereich durchzuschwenken und auf den oberen und unteren Bildrand zu achten.

Bildbeispiel:
Binnenalster in Hamburg, Blick von der Lombardsbrücke, > 180 °

Ich bevorzuge Bilder, auf denen Geländer in der Bildmitte abgeschnitten sind. Sie wären sonst stark gebogen. Im Bild oben ist aber trotzdem klar erkennbar, dass es auf einer Brücke aufgenommen wurde. Die Lampen sind komplett auf dem Bild und nicht abgeschnitten, wenn auch etwas knapp. Am Bild stört, dass es mit einem Pol-Filter aufgenommen wurde. In der Sonne gegenüberliegenden Bereich sind Himmel und Wasser zu dunkel.

Der Reiz des Panoramas liegt aber vor allem in dem Versuch, die dritte Dimension mit abzubilden. Insofern bringt ein gefüllter Vorder- und Hintergrund oft eine deutliche Spannung, ohne diese wirken die Panoramen sonst oft nicht. Probieren Sie auch einmal ein Hochformat-Panorama aus.

Bei den aus mehreren Einzelbildern zusammengefügten Panoramen ergibt sich ein gravierender Nachteil, den wir nicht verschweigen wollen. Sind im Motiv bewegte Personen, Tiere, Wolken, Wasser, Bäume vorhanden, dann kommt es unweigerlich zu nicht zueinander passenden Unterschieden im zusammengesetzten Ergebnis-Bild. Diese sind meist als Schattenbilder sichtbar, weil z.B. Personen an unterschiedlichen Orten zum Zeitpunkt der Aufnahme waren. Dies kann zwar gestalterisch genutzt werden, ist aber meist unerwünscht. Hier sind Kameras, die das Panorama "in einem Rutsch" aufnehmen, klar im Vorteil. Diese sind aber meist analog und meist auch sehr teuer, auch in den Folgekosten für das Labor.  Der ideale Panoramatag hat wenig Wolken, oder keinen Wind, keine Menschen und keine Tiere im Bild. Mit anderen Worten: ideal am Wochenende oder abends oder früh morgens. Was auch den Vorteil hat, dass die neugierigen Blicke von Beobachtern zumindest zu Anfang nicht stören, wenn noch etwas die Routine im Umgang mit der Ausrüstung fehlt. Übrigens stellt gekräuseltes Wasser (s.o.) meist kein Problem dar. Und einzelne Personen oder Tiere oder Schiffe oder was auch immer sich kaum oder langsam bewegt kann auch mit einem einfachen Trick und etwas Übung beherrscht werden: das sich bewegende Objekt muss genau mittig in einem Einzelfoto und außerhalb des Überlappungsbereiches der Einzelbilder sein. Dann kommt es auch nicht doppelt mit Schattenbild vor. 

Überlappung der Bilder, Drehwinkel

Das folgende Beispiel zeigt, wie sich die einzelnen Aufnahmen überlappen. In der oberen Bildreihe sind die Einzelbilder überlagert. Dies sind die dunkleren Bereiche. Die hellen Streifen sind die Bildanteile, die nur in einem Bild vorkommen.

Die Bilder überschneiden sich in etwa 40% der Aufnahme. Diese Bereiche sind auf der einen Seite entscheidend für eine gute Berechnungsgrundlage beim Stitch-Prozess. Auf der anderen Seite sind dies aber auch die Problemzonen bei bewegten Objekten, wie etwa Wolken, Tiere, Menschen, Wasser.

An den Dächern ist auch die Verzerrung, die sich beim Einsatz von Weitwinkel-Objektiven ergibt, erkennbar. Diese muss beim Stitch-Programm ausreichend korrigiert werden. Dies gelingt nicht immer automatisch, dann ist mühevolle Handarbeit gefragt.

Bildbeispiel:
Speicherstadt in Hamburg, Blick vom Zollkanal, > 180 °
7 Einzelbilder, KB-Brennweite 27 mm

Hier können Sie online den für Ihre Arbeitsumgebung günstigen Drehwinkel errechnen.

Und bei www.pixelrama.de finden Sie einen Workshop, der Schritt für Schritt die Einstellungen vor Ort dokumentiert.

 

 

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